Es gibt Momente, die alles entscheiden. Für Kerstin Bethan war es ein Augenblick auf einem einsamen Pfad in Spanien: ein Hund, der näher kommt, ein Stein in der Hand, weiche Knie – und 1.780 Kilometer zwischen ihr und zu Hause. Wenige Wochen zuvor war sie 50 geworden. Und sie hatte sich entschieden, allein zu gehen.
Der Jakobsweg ist für viele ein Sinnbild. Für Kerstin wurde er zur Wirklichkeit: ein Weg, den sie ging, als die letzten Jahre es „in sich hatten“. Genau hier beginnt eine Geschichte, die zeigt, dass ein Neuanfang mit 50 kein Widerspruch ist, sondern oft erst der eigentliche Anfang.
Warum Krisen selten das Ende sind
Wir neigen dazu, Krisen als Bruch zu sehen – als etwas, das uns aus der Bahn wirft. Doch Kerstins Geschichte erzählt das Gegenteil. Der bedrohliche Moment mit dem Hund steht sinnbildlich für jene Augenblicke, in denen wir glauben, nicht weiterzukönnen. Und doch gibt es, wie sie sagt, „kein Zurück“. Vorwärtszugehen ist manchmal die einzige Richtung, die uns bleibt – und genau das macht stark.
Der Weg in die eigene Kraft führt selten geradeaus. Er führt über Umwege, durch Angst und über Strecken, die man am liebsten abkürzen würde. Aber jeder Kilometer, den Kerstin allein ging, war auch ein Schritt zurück zu sich selbst.
Was wir von Kerstin lernen können
Ihre Erfahrung lässt sich nicht in einen einfachen Ratschlag pressen. Aber drei Dinge bleiben hängen: Erstens, Alter ist keine Grenze, sondern ein Startpunkt. Zweitens, Angst und Mut schließen sich nicht aus – Mut heißt, trotz der Angst weiterzugehen. Und drittens, manchmal müssen wir uns weit von zu Hause entfernen, um wieder bei uns anzukommen.
Kerstins Geschichte ist eine von neun Erfolgsgeschichten starker Frauen in diesem Buch – Frauen, die Krisen überwunden, sich neu erfunden und wieder zu strahlen begonnen haben.
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Fotos: Annika Bethan, Kerstin Bethan

